Posted on: 17. October 2021 Posted by: ATGBrokers Comments: 0

Delivery Hero bleibt hungrig auf Deals: Der Online-Liefergigant will das Kerngeschäft der mittelamerikanischen App Hugo übernehmen – Filetstück und großer Brocken zugleich.

Kimchi, Buletten und nun auch karibisch: Delivery Hero hat offenbar großen Hunger. Nachdem der Liefergigant mit seinen jüngsten Zukäufen in Korea und dem heimischen Berlin bereits kräftig aufgetischt hat, will CEO Niklas Östberg nun jenseits des Atlantiks weiter expandieren. Dafür will Delivery Hero die Restaurant- und Lebensmittellieferdienste von der zentralamerikanischen App Hugo übernehmen, wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag mitteilte. Eine diesbezügliche Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen ist demnach bereits geschlossen.

Mit dem M&A-Deal, der vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im ersten Quartal 2022 abgeschlossen werden soll, sichert sich Delivery Hero ein Filetstück von Hugo. Das Kerngeschäft der „Super-App“ ist ein Marktplatz, der sich auf die Lieferung von Speisen und Quick Commerce in Zentralamerika und der Karibik spezialisiert hat. Darüber hinaus bietet Hugo seinen Nutzern auch diverse E-Commerce-, On-Demand- und Finanzdienstleistungen an, die jedoch nicht Teil des Deals mit den Berlinern sind.

Deals sichert Delivery Hero 1,3 Millionen Nutzer

Für Delivery Hero bedeutet der Deal Zugriff auf 1,3 Millionen registrierte Nutzer in über 40 Städten in Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, der Dominikanischen Republik und Jamaika. Zwar sind die Berliner mit Ausnahme von Jamaika bereits in ganz Mittelamerika mit ihrer Marke PedidosYa vertreten, setzen im Kampf mit der Konkurrenz jedoch auf aggressives Wachstum.

Mit dem Quick-Commerz-Geschäft von Hugo baut Delivery Hero nach dem gerade erst im September verkündeten Einstieg beim Berliner Konkurrenten Gorillas zudem sein Engagement im Bereich der schnellen Lieferung von Supermarkt-Produkten aus. Dafür hatte CEO Östberg im September erklärt, zunächst 200 Millionen Euro in Gorillas investieren zu wollen, mit Option auf weitere 200 bis 400 Millionen.

CEO Östberg setzt weiter auf Wachstum

Mit dem M&A-Geschäft bleiben CEO Östberg und CFO Emmanuel Thomassin ihrem Kurs des Wachstums um jeden Preis treu. So ist es für Delivery Hero ist Hugo bereits der vierte Deal in diesem Jahr. Neben der Investition in Gorillas und der Übernahme des dänischen Essenlieferdienstes Hungry Anfang Oktober hatte sich der Online-Lieferdienst bereits Anfang des Jahres die Mehrheit am dem südkoreanischen Konkurrenten Woowa Brothers gesichert und sich den Deal 5,7 Milliarden Euro kosten lassen. Geld, dass sich der Dax-Konzern mit zwei Wandelanleihen und einer Kapitalerhöhung beschafft hatte. Insgesamt 2,3 Milliarden Euro – 1,75 Milliarden aus den beiden Anleihen und 571 Millionen aus der Kapitalerhöhung – waren so auf das Konto der Berliner gewandert.

Der Transaktionswert von Hugo basiere auf einem Run-Rate-GMV (vermitteltes Umsatzvolumen) von 150 US-Dollar. Wie viel genau Delivery Hero für das Unternehmen auf den Tisch gelegt hat, ist nicht bekannt. Die Berliner verfügten zum 1. Halbjahr 2021 über rund 2 Milliarden Euro Cash, diese Position war jedoch zuletzt deutlich gesunken. Fest dürfte allerdings auch stehen, dass für Östberg die Profitabilität gegenüber dem Wachstum aktuell nur eine untergeordnete Rolle spielt.

So hat sich der Nettoverlust von Delivery Hero im ersten Halbjahr 2021 mit 918 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Beim Jahresumsatz planen die Berliner mit 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro. Aus der Region, wo Delivery Hero seit einem Zukauf 2014 vertreten ist und im vergangenen Jahr zudem das Südamerika-Geschäft der spanischen Liefer-App Glovo übernahm, verzeichneten die Berliner im ersten Halbjahr 227 Millionen Euro Umsatz und einen Ebitda-Verlust von 80 Millionen Euro.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de


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